Tischtuch zerschnitten

Riccardo Bartholmeß, 08.11.2016

Tischtuch zerschnitten

Eine Mail am letzten Freitag schlug ein wie eine Bombe. Darin teilte der Schiedsrichter-Obmann des KFA Mittelthüringen, Domenico Cardone aus Manebach, sehr emotional begründet, seinen sofortigen Rücktritt mit.

"Unüberbrückbare Differenzen, massiver Vertrauensverlust und unerträgliche Umgangsformen innerhalb des KFA Mittelthüringen machen es mir unmöglich, unter diesen unhaltbaren Bedingungen als Schiedsrichterobmann weiterzuarbeiten."

Alle Schiedsrichter des KFA und alle Vereine erhielten diese Rund-Mail mit der Rücktrittserklärung Cardones. Der 50-Jährige war erst im Januar von den Schiedsrichtern ins Amt gewählt und auf dem Kreisfußballtag bestätigt worden. Der Bundeswehr-Angestellte war zuvor aber schon seit September 2014 kommissarisch in dieser Funktion tätig, trat die Funktion vom KFA-Vorsitzenden Ralf Hanemann an, der den ebenfalls nur kurz im Amt verweilenden Möhrenbacher Karl-Heinz Linke beerbte. Genauso kurz war dessen Vorgänger, der Arnstädter Werner Gerling nur für wenige Monate im Amt gewesen.

Domenico Cardone: "Ich bin immer für Offenheit, aber auch für Rechte und Pflichten im Ehrenamt eingetreten. Seit Monaten hat sich aber, trotz mehrerer Krisengespräche, die Lage immer weiter verschlechtert. Die Grenzen des Hinnehmbaren wurden weit überschritten. Persönliche Diskrepanzen und Kleinkriege wurden ausgefochten. Hier ging es nicht mehr um die Sache." Und Domenico Cardone holt sogar noch weiter aus und greift auch den KFA-Chef-Ansetzer Sven Wenzel und KFA-Chef Ralf Hanemann an: Cardone: "Ständige Vorhaltungen seitens des Vorsitzenden des Spielausschusses, Diskreditierung von Schiedsrichtern und Mitgliedern des Kreis-Schiedsrichter-Ausschusses durch Mitglieder des KFA, die auch noch seitens des Vorsitzenden des KFA toleriert werden, die offensichtliche Ungleichbehandlung machen meinen Rücktritt alternativlos. Ein weiteres Engagement von mir als Kreisschiedsrichter-Obmann ist nicht mehr mit meinem Gewissen zu vereinbaren", so Cardone weiter.

Der Weimarer KFA-Vorsitzende Ralf Hanemann wehrt sich: "Ich bedauere diese Rücktritte sehr. Aber ich muss darauf hinweisen, dass ein vom Verbandsgericht bestätigtes Urteil nun einmal ein Fakt ist und dass der Spielausschussvorsitzende Nachfragen beim Schiedsrichterobmann stellen muss und darf." Spielausschuss-Chef Sven Wenzel teilte mit: "Dinge wie zu hohe Schiedsrichterkosten oder auch Fehler im Berichtswesen bei Feldverweisen müssen angesprochen werden. Ich kann alle Kritiken meinerseits sachlich belegen."

Cardone: "Ich war zuletzt nur noch damit beschäftigt, mich im KFA ständig für etwas zu rechtfertigen, was man mir vorhält." Streitpunkt war möglicherweise auch ein Verfahren des KFA gegen einen Schiedsrichter im Sommer, das erst letzte Woche ein abschließendes Verbandsgerichtsurteil brachte.

Zusammen mit Cardone treten alle fünf weiteren Mitglieder des Kreisschiedsrichter-Ausschusses, die aus dem Ilm-Kreis stammen zurück – auch aus Solidarität. Das sind Konrad Götze (Rudisleben), Philipp Linke (Gräfinau-Angstedt), Robert Fabig (Geraberg), sowie Paul Hegenbarth und Tobias Nimbs (beide Geschwenda). Alle sechs zurückgetretenen Sportfreunde wollen aber als Schiedsrichter tätig bleiben, betonte Cardone.

"Persönlich bewegt mich dieser Schritt sehr, aber ein Hobby bringt nicht nur Rechte und Pflichten mit sich, sondern es soll auch Spaß machen – und der wurde mir vollkommen genommen."

Auf der turnusmäßigen KFA-Sitzung gestern stand das Thema ganz oben auf der Tagesordnung. Wie die Position neu besetzt wird, ist noch völlig offen, bedarf aber keines Schnellschusses, sondern eingehender Auswahl und intensiver interner Beratungen.